Mahlo GmbH: Birthplace of the weft straightener

Mahlo Radio 1946

Am 5. August feiert Mahlo GmbH + Co. KG ihren 72. Geburtstag. Damals hatte wohl niemand erahnt, welchen Erfolg die „Dr.-Ing. Heinz Mahlo Elektromechanischen Werkstätten“ einmal haben würden. Die Entwicklung der ersten automatischen Richtmaschine machte ihn zum Weltmarktführer und ‚Hidden Champion‘. Heute, 72 Jahre später, beschäftigt die Mahlo GmbH + Co. KG über 200 Mitarbeiter und ist in mehr als 100 Ländern aktiv.

 

Als Dr. Mahlo seine „Dr.-Ing. Heinz Mahlo Elektromechanischen Werkstätten“ direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gründete, beschäftigen sich knapp ein Dutzend Mitarbeiter mit Bau und Reparatur von Radion. Dr. Mahlo änderte aber schnell die Richtung der Firma: 1948 entwickelte und fertigte er mit dem Textometer RMS das erste elektrische Feuchtigkeitsmessgerät für die Textilindustrie. Nachfragen aus einem wachsenden Kundenkreis führten zu weiteren Entwicklungen von Mess- und Regelanlagen.

Weltneuheit Richtautomatik

Orthomat FMC Ausstellungsstück 1959
Orthomat FMC bei laufendem Betrieb, 1958

Der weltweite Durchbruch in der Textilveredelung gelang der Firma allerdings zehn Jahre später mit dem Patent auf den ersten vollautomatischen Schussfadenrichter. ‚Orthomat FMC‘ nannte Dr. Mahlo seine revolutionäre Maschine, die er 1959 offiziell auf der Leitmesse ITMA in Mailand präsentierte. Auf ihrem Prinzip beruhen noch heute alle modernen Richtmaschinen. Das Orthomat erkannte die Schussfadenlage bei laufender Warenbahn unabhängig von Gewebeart, Muster und Geschwindigkeit. Bisher hatte die Schwäche des menschlichen Auges, Warenverzüge bei schneller Laufgeschwindigkeit zu erkennen, die Textilproduktion häufig eingeschränkt. Die Richtautomatik ermittelt die Verzüge aber nicht nur: sie sorgt auch für fadengerade Ware.

 

Um die Verzüge darzustellen, nutzte Mahlo eine Kombination aus Sensoren (Tastköpfe genannt) und einer Lichtquelle, zwischen denen die Ware läuft. Angeordnet auf einer Trägerbrücke erfassen beim Orthomat FMC mehrere Tastköpfe die Lage des Schussfadens fotoelektrisch an unterschiedlichen Stellen. Sie tasten das durch das Gewebe fallende und in seiner Intensität von der Lage der Schussfäden modulierte Licht der Scheinwerfer ab, verarbeiten es für die Regelung weiter und geben ein Signal an die nachgeschaltete Richtmaschine. Das System nutzt dabei das sogenannte Durchlicht. Zur Anzeige dienen große sichtbare Instrumente mit Balkenanzeigen für Bogen-, Schräg-, oder überlagerten Verzug. Schrägverzüge werden über zylindrische, Bogenverzüge durch gebogene Richtwalzen korrigiert. Das Prinzip ist dabei so einfach wie wirksam. Durch das Verstellen der Walzen muss die Warenbahn über die Breite hinweg unterschiedliche Weglängen zurücklegen. Dadurch wird der Verzug korrigiert. Um einen Schrägverzug auszugleichen, wird die linke oder rechte Kante der Schrägrichtwalzen weiter in das Gewebe geschwenkt. Um einen Bogenverzug auszugleichen, wird die Bogenwalze mehr oder weniger in das Gewebe geschwenkt. Bereits 1958 steuerte das Orthomat FMC selbstständig die Walzen im Einlauf des Spannrahmens an, auch wenn eine manuelle Bedienung dieser natürlich möglich war.

 

 

Stetige Weiterentwicklung

Orthomat RFMC: Kombiniert Regeln und Richten

Arbeitete die Elektronik Ende der 50er noch über Elektronenröhren wie sie auch in Radiogeräten verwendet wurden, kamen Anfang der 60er Transistoren zum Einsatz. Schon in 70er Jahren wurden diese durch integrierte Schaltungen ersetzt. Das System kam auch bei Mahlos neuestem Coup zum Einsatz: Um eine optimale Zusammenarbeit zwischen Regler und Richtmaschine zu gewährleisten, kombinierte der Maschinenbauer beide Geräte in einem. Das Orthomat RFMC war geboren. Das Richtprinzip blieb dabei dasselbe, allerdings schuf Mahlo auch hier eine Weltneuheit. Das Orthomat RFMC nutzte zum ersten Mal Tastköpfe mit oszillierender Optik. Das heißt, die zylindrische Linse des Sensors schwingt bei Abtasten um ihren Mittelpunkt in einem verstellbaren Winkelbereich bis zu maximal ± 45°. Wenn die Linse parallel zum Schussfaden liegt, ist die Signalmodulation am stärksten. Je weiter die Linsenlängsachse von der Schussfadenrichtung abweicht, desto schwächer wird die Modulation. Diese Veränderungen wertet das System aus und rechnet sie in einen Verzugswinkel um. Den wiederum nutzt die Richtautomatik, um den Warenverzug zu korrigieren.

 

In den darauffolgenden Gerätegenerationen trieb Mahlo vor allem die Entwicklung der Tastköpfe voran. Sie setzten regelmäßig neue Maßstäbe in Geschwindigkeit, Genauigkeit, und Datenmenge und passten sich den Herausforderungen an. Bei Textilien, die kaum Licht durchlassen, ergänzt bis heute zum Beispiel ein reflektiertes Auflicht die bewährte Durchleuchtung. Im kombinierten Betrieb sorgen beide Möglichkeiten für ein bestmögliches Ergebnis. Außerdem erweiterte der Maschinenbauer seine erfolgreiche Gerätekombination um ein weiteres System. Das Orthopac RVMC vereinte zum ersten Mal Abtastautomatik, Richtmaschine und Prozesskontrolle in einer Maschine. Neben dem Verzug konnten nun unter anderem Feuchte, Temperatur, Flächengewicht oder Warenbreite gemessen, visualisiert und kontrolliert werden.

 

 

Maschinengeneration 15

Orthopac RVMC-15: die neueste Generation der Richtmaschine
Picture by courtesy of Stamperia Olonia srl

Pünktlich zum 70jährigen Firmenjubiläum ging im Jahr 2015 die neue Richtsystemgeneration 15 an den Start. Das Orthopac RVMC-15 stellt sich allen Herausforderungen der modernen Textilindustrie. Ausgestattet mit digitaler Abtastung und modernster Prozessortechnik passt es die Regelung selbsttätig an unterschiedliche Textilien an und erkennt auch komplizierteste Warenstrukturen. Dabei treibt Mahlo stets die aktuellsten Entwicklungen voran, u.a. das Konzept der Industrie 4.0, der Vision von untereinander vernetzten und interagierenden Maschinen. Die neue Generation der Mahlo-Richtgeräte, Sensoren und Regelkreise ist so ausgerichtet, dass sie untereinander aber auch mit anderen Systemen kommunizieren kann. So kann der Nutzer – eine Internetverbindung vorausgesetzt – von überall auf seine Maschinen zugreifen.

 

 

Bei aller innovativen Technik kann Mahlo bei seinen Richtmaschinen aber immer noch auf das Prinzip bauen, das vor fast 60 Jahren von visionären Ingenieuren entwickelt wurde. Dieses wertvolle Wissen und die langjährige Erfahrung tragen genauso zum Erfolg bei wie die Firmenphilosophie. Bis heute ist Mahlo ein Familienunternehmen geblieben, das großen Wert auf Qualität, Partnerschaft, Vertrauen und gegenseitigen Respekt legt. Gerade deshalb behauptet sich das Unternehmen seit Jahrzehnten auf dem globalen Markt.

 

 

ITMA Videos
Video: Dankeschön Barcelona für eine wundervolle ITMA 2019
Video: Was präsentiert Mahlo auf der ITMA 2019? Wie treffe ich die netten Mädels in den bayerischen Dirndln?
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