Dickenmessung

Berührungslose Inline-Messung von Material- und Schichtdicken bahnförmiger Produkte

Die Dickenmessung ist eine zentrale Messgröße in der industriellen Qualitäts- und Prozesskontrolle von bahnförmigen Materialien. Sie beeinflusst direkt Produkteigenschaften wie Festigkeit, Gewicht, Funktionalität und Ressourcenverbrauch.

Insbesondere in den Bereichen Textil, Vliesstoff (Nonwoven), Beschichtung, Veredelung, Extrusion und Batterieproduktion ist eine präzise und kontinuierliche Überwachung der Material- oder Schichtdicke erforderlich, um gleichbleibende Produktqualität sicherzustellen und Produktionsprozesse stabil zu halten.

Moderne Systeme ermöglichen eine berührungslose Inline-Dickenmessung während der laufenden Produktion. Dadurch können Dickenabweichungen frühzeitig erkannt, Prozessparameter angepasst und Ausschuss sowie Materialeinsatz reduziert werden.

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Was ist industrielle Inline-Dickenmessung?

Definition Dickenmessung

Industrielle Inline-Dickenmessung bezeichnet die kontinuierliche Erfassung der Materialdicke direkt im laufenden Produktionsprozess, ohne Unterbrechung oder Probenentnahme.

Im Gegensatz zur Offline-Messung erfolgt die Messung in Echtzeit über die gesamte Warenbreite oder entlang definierter Messspuren, sodass sowohl Mittelwert als auch Dickenprofil unmittelbar verfügbar sind.

Ziel ist es, Schwankungen frühzeitig zu erkennen, Prozessparameter gezielt anzupassen und eine gleichbleibende Produktqualität sicherzustellen.

Typische Synonyme und verwandte Begriffe:

  • Online-Dickenmessung
  • Dickenprofilmessung
  • Flächenbezogene Dickenüberwachung
  • Echtzeit-Dickenkontrolle

Messprinzip der Inline-Dickenmessung

Die industrielle Inline-Dickenmessung basiert auf unterschiedlichen physikalischen Messverfahren, die je nach Material, Aufbau und Prozessbedingungen eingesetzt werden.

Grundsätzlich wird zwischen zwei Messansätzen unterschieden:

1. Absolute Dickenmessung

Die Materialdicke wird direkt als geometrischer Abstand zwischen zwei Referenzpunkten bestimmt.

Typische Verfahren:

  • Mechanische Messsysteme (z. B. Tastrollen)
  • Optische Abstandsverfahren (z. B. Lasertriangulation)

Einsatz:

  • Fest definierte Materialien
  • stabile Oberflächen
  • Anwendungen mit direktem Materialkontakt oder definierter Referenz

2. Indirekte Dickenmessung über Materialeigenschaften

Die Dicke wird aus einer messbaren physikalischen Wechselwirkung mit dem Material abgeleitet.

Typische Verfahren:

  • Beta-Transmission (Masse pro Fläche → rechnerische Dicke)
  • Röntgen- oder Infrarotverfahren
  • Kapazitive Messverfahren

Grundprinzip: Ein Signal (z. B. Strahlung oder elektromagnetisches Feld) durchdringt oder interagiert mit dem Material.
Aus der gemessenen Abschwächung oder Veränderung lässt sich auf die Materialdicke schließen.

Warum Inline-Dickenmessung in der Produktion eingesetzt wird

In kontinuierlichen Produktionsprozessen entstehen Dickenabweichungen durch:

  • Schwankungen im Materialauftrag (Beschichtung, Extrusion)
  • Temperatur- und Feuchteänderungen
  • mechanische Einflüsse im Prozess
  • Werkzeug- oder Anlagenverschleiß

Ohne Inline-Messung bleiben diese Abweichungen oft lange unentdeckt.

Die Inline-Dickenmessung ermöglicht:

  • frühe Erkennung von Abweichungen
  • Reduzierung von Ausschuss
  • Closed-Loop-Regelung von Prozessen
  • Dokumentation der Produktqualität

Dickenmessung in der industriellen Produktion

Die Dickenmessung umfasst:

  • Materialdicke: Gesamtdicke eines Produkts
  • Schichtdicke: Dicke einzelner funktionaler Beschichtungen
  • Dickenprofil: Verteilung der Dicke über die gesamte Bahnbreite

In kontinuierlichen Prozessen erfolgt die Messung in der Regel:

  • inline (online)
  • berührungslos
  • über die gesamte Produktionsbreite (Querprofil)

Typische Anwendungen der Inline-Dickenmessung

Textil- und Nonwoven-Produktion

  • Überwachung von Materialdicken in Vliesstoffen
  • Kontrolle von Beschichtungsaufträgen
  • Qualitätssicherung in technischen Textilien

Extrusion und Folienherstellung

  • Dickenprofilregelung bei Kunststofffolien
  • Reduktion von Materialeinsatz bei gleichbleibender Qualität

Beschichtungs- und Veredelungsprozesse

  • Kontrolle von Nass- und Trockenschichtdicken
  • Gleichmäßigkeit von funktionalen Beschichtungen
  • Unterstützung der Prozessregelung durch kontinuierliche Dickenrückmeldung

Batterie- und Elektrodenfertigung

  • Kontrolle von Beschichtungsdicken auf Elektrodenfolien
  • Sicherstellung der elektrochemischen Performance

Vorteile der industriellen Inline-Dickenmessung

  • Kontinuierliche Qualitätsüberwachung in Echtzeit
  • Reduzierung von Materialverbrauch und Ausschuss
  • Transparenz über Prozessstabilität
  • Grundlage für automatisierte Regelkreise
  • Lückenlose Dokumentation

Grenzen und Herausforderungen

Nicht jedes Verfahren ist für jede Anwendung geeignet. Insbesondere bei komplexen Materialstrukturen oder Mehrlagen-Systemen ist eine anwendungsspezifische Auswahl notwendig.

Die Auswahl des geeigneten Messverfahrens hängt stark ab von:

  • Materialart (leitfähig, porös, beschichtet etc.)
  • Oberflächenbeschaffenheit
  • Prozessgeschwindigkeit
  • Temperaturbedingungen
  • Mehrschichtaufbauten

Messverfahren zur Dickenmessung

Für die industrielle Dickenmessung stehen unterschiedliche physikalische Messverfahren zur Verfügung. Diese werden je nach Material, Anwendung und Prozessbedingungen ausgewählt. Alle Verfahren werden anwendungsspezifisch eingesetzt und häufig auch kombiniert.

Lasertriangulation / optische Dickenmessung (Calipro DML)

Messprinzip
Bei der Lasertriangulation wird ein Laserstrahl auf die Materialoberfläche projiziert. Die reflektierte Lichtlinie trifft auf einen Sensor (z. B. CCD), dessen Position sich mit dem Abstand zur Oberfläche verändert. Aus dieser geometrischen Verschiebung wird der Materialabstand berechnet.

Bei der Dickenmessung erfolgt dies entweder:

  • einseitig gegen eine Referenz (z. B. Walze)
  • zweiseitig durch zwei gegenüberliegende Sensoren

Physikalische Grundlage
Triangulation eines Lichtstrahls über Winkelmessung zwischen Sender, Objekt und Empfänger.

Warum wird das Verfahren eingesetzt?

  • direkte geometrische Dickenbestimmung
  • hohe zeitliche Auflösung
  • geeignet für profilbasierte Regelung

Vorteile

  • hohe Auflösung und Messdynamik
  • direkte Dickenmessung ohne Umrechnung
  • gut für Dickenprofil-Regelung

Typische Anwendungen

  • Extrusion von Folien und Platten
  • technische Textilien
  • teilweise Vliesstoffe
  • Beschichtungslinien mit stabiler Oberfläche

Typische Produktionsschritte

  • Kalanderprozesse
  • Extrusionslinien
  • Bahntransport über Walzen

Grenzen

  • eingeschränkt bei transparenten oder stark reflektierenden Materialien
  • empfindlich gegenüber Oberflächenstruktur

Typische Alternativen

  • Beta- oder Röntgenmessung bei optisch kritischen Materialien
  • Lichtbandverfahren bei strukturierten Oberflächen

Lichtband-Abschattung / optische Direktmessung (Calipro DMS)

Messprinzip
Ein Lichtband (z. B. LED-Lichtvorhang) wird durch das Material teilweise abgeschattet. Die Auswertung der Abschattung liefert die Materialdicke.

Ein Referenzsensor (z. B. Wirbelstromsensor) kann zusätzlich die Position der Walze oder Referenzfläche berücksichtigen.

Physikalische Grundlage
Geometrische Abschattung eines Lichtstrahls durch das Messobjekt.

Warum wird das Verfahren eingesetzt?

  • robust gegenüber Materialeigenschaften
  • unabhängig von Farbe, Transparenz oder Reflexion

Vorteile

  • unempfindlich gegenüber optischen Eigenschaften
  • stabil bei strukturierten Oberflächen
  • geeignet für flexible Materialien

Typische Anwendungen

  • Nonwovens (Vliesstoffe)
  • strukturierte Textilien
  • voluminöse Materialien

Typische Produktionsschritte

  • Vliesstoffproduktion
  • Beschichtete textile Produkte

Grenzen

  • begrenzte Auflösung bei sehr dünnen Materialien
  • abhängig von mechanischer Referenz

Typische Alternativen

  • Lasertriangulation bei glatten Oberflächen
  • radiometrische Verfahren bei Mehrschichtsystemen

Weißlichtinterferenz / Interferometrie (Optoscope WLI)

Messprinzip
Bei dünnen Schichten entsteht durch Reflexion an den Grenzflächen Interferenz. Das resultierende Spektrum wird analysiert und zur Bestimmung der Schichtdicke verwendet.

Physikalische Grundlage
Interferenz von Lichtwellen.

Warum wird das Verfahren eingesetzt?

  • sehr hohe Genauigkeit bei dünnen Schichten

Vorteile

  • sehr hohe Präzision
  • geeignet für Mikrometer- und Submikrometerbereiche

Typische Anwendungen

  • transparente Beschichtungen
  • Dünnschichtsysteme

Typische Produktionsschritte

  • Beschichtungsauftrag dünner Schichten (Slot-Die, Rakel, Gravur)
  • Direktmessung nach dem Auftrag (Wet Film)
  • stabile Prozessbereiche in der frühen Trocknungsphase
  • Messung nach Trocknung bei optisch geeigneten Schichten
  • Mehrschichtaufbau und Laminierung transparenter Systeme
  • Einsatz in High-End-Beschichtungsprozessen

Grenzen

  • nur für bestimmte optische Materialien geeignet

Typische Alternativen

  • IR oder Beta bei komplexeren Materialien

Beta-Strahlung / Beta-Transmission (Gravimat DFI)

Messprinzip
Ein radioaktiver Strahler sendet Beta-Strahlung durch das Material. Die Intensität der durchdringenden Strahlung wird gemessen.

Die Abschwächung hängt vom Flächengewicht und der Materialdichte ab. Bei bekannter Dichte kann daraus die Dicke bestimmt werden.

Physikalische Grundlage
Absorption von Beta-Strahlung durch Materie.

Warum wird das Verfahren eingesetzt?

  • unabhängig von optischen Eigenschaften
  • geeignet für dünne und mehrschichtige Materialien

Vorteile

  • hohe Genauigkeit
  • stabile Messung bei wechselnden optischen Eigenschaften
  • geeignet für komplexe Materialsysteme

Typische Anwendungen

  • Beschichtungsprozesse
  • Nonwoven
  • Batteriematerialien
  • Folien und Bahnmaterialien

Typische Produktionsschritte

  • Beschichtung und Trocknung
  • Kalanderprozesse
  • Batterieelektrodenfertigung

Grenzen

  • regulatorische Anforderungen (Strahlenschutz)
  • indirekte Dickenbestimmung über Flächengewicht

Typische Alternativen

  • Röntgenmessung
  • optische Messverfahren bei einfachen Materialien

Röntgenmessung / X-Ray (Gravimax MMX / Gravimat FMX)

Messprinzip
Bei der Röntgenmessung wird elektromagnetische Strahlung durch das Material gesendet oder mit diesem in Wechselwirkung gebracht. Abhängig vom eingesetzten Verfahren unterscheidet man:

  • Transmission: Strahlung durchdringt das Material, Abschwächung wird gemessen
  • Rückstreuung (Backscatter): Ein Teil der Strahlung wird im Material gestreut und zur Quelle zurück reflektiert

Die Intensitätsänderung liefert Informationen über Flächengewicht, Dichte und – bei bekannter Materialstruktur – indirekt über die Dicke.

Physikalische Grundlage
Die Wechselwirkung von Röntgenstrahlung mit Materie basiert auf Absorption und Streuprozessen.

  • Bei der Transmission ist die Abschwächung hauptsächlich von der Gesamtmasse der durchstrahlten Schicht abhängig
  • Beim Backscatter-Verfahren entsteht ein Signal durch zurückgestreute Strahlung, deren Intensität stark von Materialzusammensetzung, Dichte und Struktur beeinflusst wird

Moderne Röntgensensoren kombinieren beide Prinzipien, um die Einschränkungen einzelner Verfahren zu reduzieren.

Ein Beispiel ist die Sensorplattform (Gravimax MMX‑R):

  • kombiniert Röntgen-Transmission und Röntgen-Backscatter in einem System
  • ermöglicht die gleichzeitige Erfassung von Flächengewicht und Materialzusammensetzung
  • arbeitet berührungslos und zerstörungsfrei
  • nutzt eine kompakte Röntgenröhre und moderne Halbleiterdetektoren zur Signalverarbeitung
  • reduziert den Strahlenschutzaufwand durch optimierte Röntgentechnologie

Durch die Kombination von Rückstreu- und Transmissionsmessung kann das System:

  • Materialabhängigkeiten reduzieren
  • auch bei komplexen oder mehrschichtigen Materialien stabile Messergebnisse liefern
  • zusätzliche Informationen über Schwerkomponenten oder Füllstoffe bereitstellen [mahlo.com]

👉 Wichtig im Kontext Dickenmessung:
Die Röntgenmessung liefert primär Flächengewicht oder Materialparameter.
Die Dickenbestimmung erfolgt indirekt, wenn:

  • die Materialdichte bekannt ist
  • oder zusätzliche Dickenmessverfahren kombiniert werden

Warum wird das Verfahren eingesetzt?

  • unabhängig von optischen Eigenschaften (Farbe, Transparenz, Oberfläche)
  • geeignet für komplexe und mehrschichtige Materialien
  • hohe Messgenauigkeit bei dünnen oder dichten Schichten
  • zusätzliche Informationen über Materialzusammensetzung möglich

Vorteile

  • hohe Genauigkeit und Reproduzierbarkeit
  • materialunabhängige Messung
  • geeignet für Mehrschichtsysteme
  • zusätzliche Analyse von Materialkomponenten möglich
  • reduzierte regulatorische Anforderungen im Vergleich zu Beta-Systemen (je nach Ausführung)

Typische Anwendungen

  • Beschichtungsprozesse (coating thickness measurement)
  • Batterieelektroden (Anode/Kathode)
  • Nonwoven und technische Vliese
  • Verbundmaterialien und Composites
  • Folien- und Bahnmaterialien

Typische Produktionsschritte

  • Beschichtung und Trocknung
  • Laminierung
  • Extrusion
  • Kalanderprozesse
  • Batterieherstellung

Grenzen

  • indirekte Dickenmessung (abhängig von Dichte)
  • aufwendigere Systemintegration als optische Verfahren
  • material- und applikationsabhängige Kalibrierung erforderlich

Typische Alternativen

  • Beta-Strahlung bei klassischen Flächengewichtsmessungen
  • Lasertriangulation für direkte geometrische Dickenmessung
  • IR-Verfahren für organische Schichten

Infrarotmessung / IR (Infralot IMF / Infrascope NIR)

Messprinzip
Das Material absorbiert bestimmte Wellenlängen im Infrarotbereich. Die Stärke der Absorption ist abhängig von Materialzusammensetzung und Schichtdicke.

Physikalische Grundlage
Spektrale Absorption elektromagnetischer Strahlung im IR-Bereich.

Warum wird das Verfahren eingesetzt?

  • selektive Messung von organischen Schichten
  • Kombination mit Feuchte- und Inhaltsstoffmessung

Vorteile

  • materialspezifische Analyse möglich
  • kombinierbar mit anderen Messgrößen

Typische Anwendungen

  • Beschichtungen
  • organische Materialien
  • Lacke, Klebstoffe

Typische Produktionsschritte

  • Beschichtungsprozesse (Rakeln, Walzenauftrag, Slot-Die)
  • Trocknungsprozesse (Heißluft, IR-Trocknung, Umluftsysteme)
  • thermische Fixierung und Aushärtung
  • Laminierung und Mehrschichtaufbau
  • Imprägnierung und Ausrüstung von Textilien und Vliesstoffen
  • Endkontrolle nach Trocknung oder Nachbehandlung

Grenzen

  • stark materialabhängig
  • oft Kalibrierung notwendig

Typische Alternativen

  • Beta- oder Röntgenmessung
  • optische Verfahren

Produkte und Sensoren