Die Geschichte von Web Process Intelligence
Von der Feuchtemessung zur Intelligenzebene kontinuierlicher Bahnprozesse
Web Process Intelligence beschreibt die Fähigkeit, kontinuierliche Bahnprozesse sichtbar, verständlich, beherrschbar und kontinuierlich optimierbar zu machen.
Die Kategorie entstand jedoch nicht erst mit Digitalisierung, Datenanalyse oder Künstlicher Intelligenz. Ihre technologischen Wurzeln reichen bei Mahlo mehr als acht Jahrzehnte zurück.
Seit den 1940er-Jahren beschäftigt sich Mahlo im Kern mit derselben Frage:
Wie lassen sich Produktionsprozesse objektiv erfassen, besser verstehen und gezielt verbessern?
Aus der Beantwortung dieser Frage entstanden Technologien für Messung, Regelung, Verzugskorrektur, Qualitätskontrolle und Prozessoptimierung. Gemeinsam bilden sie heute die Grundlage von Web Process Intelligence innerhalb von Continuous Web Production.
Die Entwicklung über acht Jahrzehnte
1940
Elektrische Feuchtemessung textiler Fasern
↓
1945
Gründung von Mahlo
↓
1948
Textometer
Industrielle Feuchtemessung
↓
1953/54
Feuchtigkeitsregelanlagen
Prozessregelung
↓
1958
Patent der automatischen
Schussfadenrichtmaschine
↓
1958
Erste industrielle Installation
bei der Erba AG in Wangen
↓
1970
Gravimat FMI
Radiometrische Qualitätsmessung
↓
1990
Ecomat
Integrierte Prozesskontrolle
↓
1995
Qualiscan QMS
Qualitätsprofilierung
↓
1997
Optipac
Prozesskontrolle
↓
seitdem
kontinuierliche Entwicklung
der Plattformen
↓
Heute
Web Process Intelligence
für Continuous Web Production
Jeder dieser Meilensteine erweiterte die Fähigkeit, Produktionsprozesse nicht nur zu messen, sondern ihre Zusammenhänge zu verstehen und gezielt zu beeinflussen.
Die einzelnen Stationen markieren dabei nicht nur die Entwicklung eines Unternehmens. Sie markieren die Entstehung von Technologien, die heute in den Bereichen Qualitätskontrolle, Prozesskontrolle und Verzugskorrektur eingesetzt werden.
Weiterführend: Die Plattformarchitektur von Web Process Intelligence
Der Ursprung
Wenn Qualität erstmals messbar wird
Die Geschichte beginnt im Jahr 1940.
In seiner Dissertation an der Technischen Hochschule Dresden beschäftigte sich Heinz Mahlo mit der elektrischen Messung des Feuchtegehaltes textiler Fasern.
Was zunächst wie ein klassisches Forschungsthema erscheint, berührt eine Frage, die bis heute jede Form industrieller Prozessoptimierung prägt:
Wie kann etwas verbessert werden, das nicht zuverlässig messbar ist?
Schon damals zeigt sich eine Grundüberzeugung, die die weitere Entwicklung prägen sollte:
Was sich messen lässt, lässt sich verstehen.
Aus wissenschaftlicher Forschung entstand damit die Grundlage moderner Qualitätskontrolle, Prozesskontrolle und datenbasierter Optimierung.
Der Neubeginn
Die Gründung von Mahlo
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Heinz Mahlo nach Kelheim zurück und gründete am 5. August 1945 die Firma Dr. Ing. Heinz Mahlo, Elektromechanische Werkstätten.
Die ersten Jahre waren geprägt von Wiederaufbau, Improvisation und knappen Ressourcen. Gleichzeitig entstand die Grundlage für eine Entwicklung, die weit über einzelne Produkte hinausgehen sollte.
Mit dem Wiedererstarken der Textilindustrie wuchs der Bedarf nach neuen Lösungen, um Produktionsprozesse objektiv zu überwachen, Qualität zuverlässig zu sichern und Prozesse gezielt zu beeinflussen.
Die Geschichte von Mahlo begann als Unternehmensgeschichte. Sie entwickelte sich zu einer Geschichte über Prozessverständnis.
Das Textometer
Vom Erfahrungswissen zu Prozessdaten
1948 entwickelte Mahlo das Textometer.
Heute mag ein Feuchtemessgerät selbstverständlich erscheinen. Damals bedeutete es einen grundlegenden Perspektivwechsel.
Zum ersten Mal konnten Feuchtigkeitswerte reproduzierbar und objektiv bestimmt werden.
Aus Vermutungen wurden Daten.
Aus Daten wurden belastbare Informationen.
Mit dem Textometer begann die systematische Entwicklung industrieller Prozessmesstechnik bei Mahlo.
Weiterführend: Die fünf Kernfähigkeiten von Web Process Intelligence
Vom Messen zum Regeln
Die ersten Feuchtigkeitsregelanlagen

Die Textometer-Feuchtigkeitsregelanlage von 1951 kombinierte Feuchtemessung und automatische Regelung innerhalb des laufenden Produktionsprozesses. Sie zählt zu den frühen Vorläufern moderner Prozesskontrollsysteme.
Schon bald reichte es der Industrie nicht mehr, Feuchtigkeit lediglich zu messen.
Die nächste Frage lautete:
Wie lässt sich der gewünschte Zustand dauerhaft halten?
Anfang der 1950er-Jahre entstanden daraus die ersten Feuchtigkeitsregelanlagen.
Damit wurde aus Messtechnik aktive Prozesskontrolle.
Erstmals entstand ein geschlossener Regelkreis:
Messen
↓
Bewerten
↓
Regeln
Die Idee dahinter ist bis heute aktuell:
Nicht die Messung allein schafft Nutzen, sondern die Fähigkeit, Erkenntnisse in Handlungen umzusetzen.
Die heutige Plattform Optipac steht in direkter technologischer Tradition dieser frühen Regelungssysteme.
1958: Die automatische Schussfadenrichtmaschine
Die Geburt der automatisierten Qualitätskorrektur

Die Patenturkunde dokumentiert die Erteilung des Patents für die automatische Schussfadenrichtmaschine von Heinz Mahlo. Sie markiert einen Meilenstein der automatisierten Verzugserkennung und Qualitätskorrektur in kontinuierlichen Bahnprozessen.
Mit der Regelung von Feuchtigkeit konnte ein wichtiger Einflussfaktor kontrolliert werden.
Eine Herausforderung blieb jedoch bestehen:
Verzüge konnten erkannt werden, mussten aber häufig nachträglich korrigiert werden.
Heinz Mahlo stellte deshalb eine neue Frage:
Warum sollte ein Produktionsprozess Qualitätsabweichungen nicht selbst erkennen und korrigieren können?
Die Antwort war die automatische Schussfadenrichtmaschine.
Am 27. April 1958 wurde das Patent angemeldet.
Ihr Grundprinzip war ebenso einfach wie revolutionär:
Erkennen
↓
Bewerten
↓
Korrigieren
Zum ersten Mal konnten Qualitätsabweichungen während eines laufenden Produktionsprozesses automatisch erkannt und korrigiert werden.
Bild: Patenturkunde der automatischen Schussfadenrichtmaschine (1958)
Der Schritt in die industrielle Praxis

Der Orthomat war die erste industrielle Umsetzung der automatischen Schussfadenkorrektur. Die 1958 bei der Erba AG installierte Anlage gilt als Ausgangspunkt der späteren Orthopac-Technologie.
Noch im selben Jahr wurde die erste Schussfadenrichtmaschine an einem Spannrahmen der Erba AG in Wangen installiert.
Aus einer technischen Idee wurde industrielle Realität.
Zum ersten Mal zeigte sich in der Praxis, dass ein Produktionsprozess Qualitätsabweichungen nicht nur erkennen, sondern aktiv ausgleichen konnte.
Diese Entwicklung bildet bis heute die Grundlage der Plattform Orthopac.
Bild: Erste installierte Schussfadenrichtmaschine bei der Erba AG in Wangen (1958)
Neue Technologien, neue Fragestellungen
Vom einzelnen Messwert zum gesamten Prozess
Mit zunehmender Automatisierung wurden Produktionsprozesse komplexer.
Die Industrie wollte nicht mehr nur wissen, ob ein Wert innerhalb der Spezifikation lag.
Sie wollte verstehen:
- Warum verändert sich die Qualität?
- Welche Einflussgrößen bestimmen das Ergebnis?
- Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Produkt und Prozess?
- Wo liegen Optimierungspotenziale?
Der Fokus verlagerte sich Schritt für Schritt:
Messen
↓
Analysieren
↓
Verstehen
↓
Optimieren
Aus Transparenz wurde Prozessverständnis.
Drei Entwicklungslinien, eine gemeinsame Idee
In den folgenden Jahrzehnten entstanden bei Mahlo drei technologische Entwicklungslinien, die bis heute die Grundlage von Web Process Intelligence bilden.
Qualitätskontrolle
1970
Gravimat FMI
↓
1995
Qualiscan QMS
↓
Qualitätsprofilierung
und Prozessoptimierung
Mit dem Gravimat FMI begann der Einstieg in die radiometrische Qualitätsmessung. Daraus entwickelte sich später Qualiscan QMS als Plattform für Qualitätskontrolle, Qualitätsprofilierung und Prozessoptimierung.
Weiterführend: Die Plattformarchitektur → Qualiscan QMS
Prozesskontrolle
1948
Textometer
↓
1953/54
Feuchtigkeitsregelanlagen
↓
1990
Ecomat
↓
1997
Optipac
↓
Prozesskontrolle
und Prozessoptimierung
Aus Messung und Regelung entstand eine integrierte Plattform für die Überwachung und Optimierung von Produktionsprozessen in der Textilveredelung.
Weiterführend: Die Plattformarchitektur → Optipac
Verzugskorrektur
1958
Schussfadenrichtmaschine
↓
Orthopac
↓
Verzugserkennung
und Verzugskorrektur
Aus der ursprünglichen Richtmaschine entwickelte sich eine eigene Technologielinie für die Erkennung, Dokumentation und Korrektur von Verzügen.
Wenn Entwicklungslinien zusammenlaufen
Die Entstehung von Web Process Intelligence
Rückblickend lassen sich die technologischen Entwicklungen von Mahlo als kontinuierliche Erweiterung derselben Fähigkeit beschreiben:
Messen
↓
Regeln
↓
Korrigieren
↓
Analysieren
↓
Verstehen
↓
Optimieren
Aus Prozessmessung wurde Prozesskontrolle.
Aus Verzugskorrektur wurde automatisierte Qualitätsverbesserung.
Aus Qualitätskontrolle wurde Prozessverständnis.
Und aus diesen Entwicklungslinien entstand schließlich Web Process Intelligence.
Nicht als Produkt. Nicht als Software.
Sondern als Fähigkeit.
Weiterführend: Die fünf Kernfähigkeiten von Web Process Intelligence
Warum diese Geschichte heute relevant ist
Moderne Produktionsanlagen erzeugen heute mehr Daten als jemals zuvor.
Die grundlegenden Fragen sind jedoch dieselben geblieben:
- Wie entsteht Qualität?
- Welche Ursachen beeinflussen das Ergebnis?
- Wie lassen sich Prozesse stabil führen?
- Wie können Produktionsprozesse kontinuierlich verbessert werden?
Seit den 1940er-Jahren verfolgt Mahlo dieselbe Grundidee:
Produktionsprozesse durch bessere Informationen verständlicher und beherrschbarer zu machen.
Genau diese Idee beschreibt heute die Kategorie Web Process Intelligence.
Die Geschichte in einem Satz
Web Process Intelligence ist die moderne Weiterentwicklung technologischer Prinzipien, die Mahlo seit den 1940er-Jahren entwickelt, um kontinuierliche Bahnprozesse besser zu messen, besser zu verstehen und kontinuierlich zu verbessern.
Zusammenfassung
- Die Wurzeln von Web Process Intelligence reichen bis zur Forschung von Heinz Mahlo im Jahr 1940 zurück.
- Das Textometer markierte 1948 den Einstieg in die industrielle Prozessmesstechnik.
- Die ersten Feuchtigkeitsregelanlagen führten das Prinzip der automatischen Prozessregelung ein.
- Die Schussfadenrichtmaschine begründete 1958 die automatisierte Verzugskorrektur.
- Gravimat FMI, Ecomat, Qualiscan QMS und Optipac erweiterten die Möglichkeiten von Qualitätskontrolle und Prozesskontrolle kontinuierlich.
- Heute bündelt Web Process Intelligence diese Entwicklung zu einer gemeinsamen Kategorie für Continuous Web Production.
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